σχίζειν, φρήν

“Du hast es getan, du hast es getan! Du warst es!!!”
“Hört auf, lasst mich endlich in Ruhe”
Die Leute starrten sie an.
“Du kannst es nicht leugnen. Wir wissen es, wir sind der Beweis”
“Ihr wisst garnichts! IHR seid der Beweis für garnichts!”
Einige Leute gafften, andere machten die typische Geste für: “Sie ist verrückt”, alle Anderen interessierte es nicht und sie gingen vorbei. Niemand ging auf sie zu oder half gar.
“Warum sollten sie dir glauben? Niemand wird dies tun”
“Das wisst Ihr nicht. IHR könnt es nicht wissen”
“Wir wissen was du weißt, wir sind was du bist, wir waren und wir SIND ein Teil von dir. Wir WISSEN was du verdrängst”
Ein schrecklicher Schrei erfüllte die Gasse. Für einen Moment erstarrte alles. Annika ging, ohne außenstehendes zu beachten, weiter die Gasse entlang. Die Passanten zweifelten nun nicht mehr das Annika verrückt war. Ihr selbst aber, war es anscheinend noch nicht bewusst. Zumindest, aus Ihrer eigenen Perspektive, ist es Anders.
“Andere können es nicht begreifen. Sie sind nicht Ich. Sie haben es nicht erlebt. Sie wissen nicht wovon sie reden. Lasst mich endlich in RUHE”
Annika ging nun etwas abseits der großen Menge.
“Du kannst nicht entkommen! Mach dir nichts vor…” flüsterte es aus einer Ecke.
“Ich mache mir nichts vor. Ich habe mir niemals etwas vorgemacht. Es war notwendig. Es ging nicht anders. Ich hätte nicht anders handeln können”
Langsam ging die Sonne ihrem Horizont entgegen, es dämmerte.
“Es gab Mittel, Wege und Möglichkeiten, aber es gab keinen Sinn. Es war sinnlos. Es IST sinnlos”
“Ich war überfordert! Mir blieb nichts anderes übrig. Ich muss damit Leben. Es ist mein Gewissen. Das ist meine Strafe”
“Deine Strafe? Glaubst du das du so einfach davon kommst? Ein Gewissen? WO WAR DEIN GEWISSEN ALS SUE SCHRIE. Diese Strafe ist uns nicht gerecht genug”
“Ihr könnt bei einem Menschen nicht darüber bestimmen was Gerechtigkeit ist”
“Wir bestimmen die Gerechtigkeit der Menschen nicht. Wir bestimmen sie bei dir!”
“Heißt das… ich bin kein Mensch?”
“Du warst ab dem Moment als Sue schrie und du nicht eingegriffen hast kein Mensch mehr! Selbst Wörter wie BIEST, ABSCHAUM, MONSTROSITÄT werden dir nicht mehr gerecht. Es sind die schwachen Versuche der Menschen so etwas wie DICH in Worte zu fassen, damit sie es begreifen, damit sie damit umgehen können. Es würde Sie verrückt machen wenn nicht. Etwas was du nicht beschreiben kannst, ist nicht fassbar für jemanden, Menschen wollen es nicht verhindern oder gar im vorraus vermeiden. Sie wollen es nur verständlich haben damit sie weiter wegschauen können oder gerade damit sie schaulustig gaffen können”
“Du kannst nichts aus mir machen was ich nicht bin. Ich bin ein Mensch wie es 8 Milliarden andere auch sind. Ich bin kein Monster!”
“8 Milliarden andere taten nicht das was du getan hast. Du bist kein Monster. Es wird dir nicht gerecht. Dich, deine Taten, kann man nicht in Worte fassen. Sie werden nicht wegschauen. Sie werden dich begaffen wenn sie noch die Chance dazu haben und dann wegsperren um die Blicke der anderen vor dir zu schützen”
Ihr Haus wurde langsam immer größer und kam näher während die letzten Sonnenstrahlen vom Dunkel verschluckt wurden.
“Wenn… wenn.. ich es ihnen erkläre… dann… dann…”
Herzschlag und Atmung beschleunigten sich.
“Werden sie es verstehen?! Glaubst du das wirklich? Glaubst du das allen Ernstes? – Glaubst du wirklich sie werden verstehen das Sue stundenlang geschrien und gewimmert hat bevor Gott ihr endlich “Gnade” gewährte. Sie krampfte sich stundenlang. Niemand nahm die Schmerzen von ihr. Nichts hast du getan”
“Ich konnte… konnte nicht… ich kam damit nicht zurecht. Es war zu viel. Ich konnte nicht…”
Annika stand vor ihrer Haustür. Den Schlüssel im Schloss
“Nicht damit umgehen? Und hast es an Sue ausgelassen? Schau dir an was du getan hast. Schau hin. Sieh endlich hin. Hör auf es zu leugnen”
Annika schloss auf und ging langsam, zitternd in ihren Keller hinein.
“Ich habe es entdeckt und andere werden es auch entdecken. Das konntest du nicht ertragen! War dir Sue nicht genug? Mach dir nichts vor und sieh es endlich ein. Sieh ein was du bist und was du getan hast”
Sie sackte ungebremst auf die Knie,… langsam sog die Hose das Blut in sich ein und breitete sich anschließend auf dem kalten Steinboden aus.
“Ich… Ich…”
“Egoismus bis zur letzten Minute. Nichtswürdig in der gesamten Existenz”
“aber…”
“Aber was? Es ist zu spät. Du kannst es nicht mehr ändern. Nur noch beenden, anstatt es endlos hinauszuzögern”
“Abigale… Sue…. Verzeiht mir… bitte…”
“Stirb endlich damit du erhälst das was du verdient hast…” vernahm Annika bevor das Bewusstsein entschwand und die beiden verwesenden Leichen ihr entegegen kamen.
 

Gestern Abend wurde in der Nähe eines kleinen Einfamilienhauses auf dem Lande eine 24jährige Frau im Keller tot aufgefunden. Die Todesursache scheint eine Kopfverletzung zu sein, welche wahrscheinlich durch den Sturz auf den unebenen Steinboden eintrat. Die Polizei geht von einem Unfall aus. Nach bisherigen Ermittlungsergebnissen gibt es keinerlei Anzeichen oder Spuren für ein Verbrechen.

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