Vater

Vater,

das was du aus mir, aus uns, gemacht hast ist mir nun so fremd wie du es immer warst. Dir deine Fehler aufzuzählen, deine Untaten und deine Grausamkeiten, dies Alles kann man nicht in Worte fassen. Selbst das schäbigste Papier dieser Welt wäre mehr Wert als du es je in meinen Augen sein wirst. Sicherlich interessiert dich das nicht, vielleicht wirst du diesen Brief nie öffnen oder gar lesen und es ist mir einerlei. Es ist mir nur ein Bedürfnis meinen Hass dir gegenüber an diese Zeilen zu binden damit sie mich endlich loslassen und niemals wieder zu dem Selbsthass führen der mich fast zerstört hätte. Wir waren Gefangene, Sklaven unter deiner Knechtschaft. Geschlagen und misshandelt wie eine Bestie die einem fremd ist, die man aus Spaß und Freude quält um zu sehen wie sie vor Schmerzen aufjault. Wir sind dein Fleisch und dein Blut. Eine Schande mit der wir Leben müssen und der Ekel der mich dabei überkommt lässt mich nur noch Erbrechen.
Ich hasse und verachte dich aus tiefster Seele!
Nach außen mussten wir so tun als würden wir eine kleine, glückliche Familie sein. Abartig, dass wir in dieser Lüge und Erniedrigung, da wir die Wahrheit kannten, Hoffnung und Sehnsucht fanden. Doch selbst bei diesem für uns einzigen Lichtstrahl in der Dunkelheit hast du es geschafft ihn zu zerstören. Von dort an waren wir nur noch seelenlose Behälter die alles über sich ergehen ließen. Wir fühlten kein Schmerz, keine Pein, kein Leben, nichts. Eine kalte Leere verblieb in uns und wir erlernten dich zu hassen. Es gab uns die Wärme die zum Feuer wurde. Eine Waffe mit der wir dich vernichten würden. Du konntest es nicht begreifen und es hat dich verrückt gemacht. Deine Methoden uns zu demütigen wurden immer raffinierter, immer ausgefallener und immer heftiger. Wie du jemanden wie Mutter finden konntest bleibt mir unbegreiflich. Hast du ihr auch das angetan was wir über uns ergehen lassen mussten? Himmel und Hölle mag es vielleicht nicht nach dem Tod geben, aber während man lebt kann man sein eigenes Pandemonium durchleben. Wir haben es durchgestanden. Ertragen. Nichts kann uns nun mehr wehtun. Nichts.
Wir werden nun unser Glück finden und unsere Freude wiederfinden, da uns unsere Kindheit von dir geraubt worden ist. Du wirst sehen, du wirst deine Strafe erhalten. Dafür werde ich Sorgen, selbst wenn es mich alle Kraft dieser Welt kosten sollte. Doch niemals werde ich auf deine Ebene sinken und es dir gleichtun. Niemals!
Du hattest Gefühle für uns, widerlich, selbst wenn es nur die Schlechtesten waren. Du wirst es bald spüren, das Grausamste was es auf dieser Welt gibt ist nicht der Hass, sondern die Ignoranz. Es ist das Gefühl einsam und allein auf dieser Welt zu sein, obwohl man weiß das Menschen einen umgeben. Es zeigt dir deine eigene Wertlosigkeit auf, es zerfrisst dich auf die bösartigste Art und Weise die es gibt:
“Langsam, schmerzhaft und unaufhaltsam…”

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