„Das Leben wird schon wissen das es mit dir vorhat“. In diesem Moment wollte ich ihr nur wehtun. Das erste Mal in meinem Leben das mich jemand so weit getrieben hat, dass ich dem Menschen mit dem ich sprach nur noch verletzen und demütigen wollte. Es war mein einziges Ziel. Es war zu spät, ich tat es. Ironisch dachte ich: „Super, du hast es geschafft – Bravo, Applaus für den Ersten der es je schaffte“. Dennoch hielt mich eine innere Stimme, eine innere Kraft davon ab, das die Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit über den Verlust in Hass gipfelte. Um ein Vielfaches hätte ich weitergehen können. Geht man der Möglichkeit nach einen Menschen zu zerstören, zerstört man mehr von sich selbst als man denkt. Nach einer Weile war es vorbei. Es ist seltsam eigenartig, dass ich vieles, wie genau und wann es zu Ende ging ich nicht mehr weiß, vergesse. Ein Schutzreflex und emotionale Überbelastung. Einiges kann ich in diesem Zustand anschließend nicht mehr begreifen, realisieren oder erkennen, nachvollziehen… verstehen. Bestimmte Schlüsselwörter sind hängen geblieben: „Du willst leiden…“, „…willst gehalten werden…“, „…du verstehst es nicht…“ und „…in sozialem Verhalten musst du noch einiges lernen…“. Warum nur? Warum nur konnte ich diese Worte direkt wieder an sie richten? Ein Spiegelbild das etwas Gleiches wiedergibt, aber in veränderter Form. Der Kontext ändert sich, das Themengebiet, die Stelle an der man einsetzt. Sie war weiter was Soziales anging. Beneidenswert. Eine Fähigkeit die mir fehlt.
Es wurden mehr und es wurde hektischer.
Ich begreife bestimmte Dinge auch nicht und versuche es zu begreifen, sie begreift aus meiner Sicht einige Dinge nicht und ich versuche sie zu erklären. Beides scheitert. Der Versuch zu schlafen scheitert. Zu viele Dinge rasten mir durch meinen Kopf. Einige Stunden vergingen bis ich durch den Schlaf kurzzeitig alles vergessen konnte. Zumindest bis zum nächsten Morgen. Wenn ich wieder aufwache und schon wieder an das Gleiche denke bevor ich überhaupt realisiere das ich nun wach bin. Traum und Wirklichkeit scheinen ineinander zu verlaufen. Ein verschwommenes Etwas.
Das „Spielchen“ geht Tag für Tag für Tag immer und immer wieder von vorne los. Tag für Tag vergeht. Woche für Woche vergeht. Monat um Monat vergeht. Alles vergeht, aber das was ich versuche loszuwerden vergeht nicht. Es bleibt und klammert sich fest. Jahrelange Prägung und dann ein einziger Moment, bestimmte den glücklichsten Moment in meinem Leben. Angst macht sich breit. Angst vor… Ich wünschte ich würde nur die Angst vor der Angst selbst fürchten. Ständig sage ich mir: „Anderen geht es schlechter, da bin ich noch gut dran“. Als Aufmunterung taugt es nicht viel. Es heißt nur das ich noch nicht ganz unten stehe. Erfassen das es noch weiter, tiefer in den Abgrund geht kann ich nicht. Fallen ohne aufzuprallen. Nur das Anstoßen an die Kanten lässt einen wissen das man „lebt“. Schmerz. Ich versuche herauszukommen. Kann nicht klettern, rutsche ab. Jeder Versuch, jede Schramme mehr prägt mich. Stasis. Jahrelang. Zu lang.
Licht blendete. Die Geräusche wurden lauter. Sie dringen durch. Warum tun sie dies?
Schrittweise abschließen. Ich sehe keine Lösung. Ich kenne keine Möglichkeiten. Ich wünsche mir etwas Unerfüllbares. Es wird nicht weggehen. Niemals. Ist es zu viel verlangt für etwas Gutes was man Anderen gibt auch etwas zu bekommen. Etwas anderes als Qualen, Gift und Waffen in Herz und Brust gerammt? Liegt es an mir? Ich will es wissen? Hatte ich nur, Pech? Wollte es jemand höheres so? Wird es mir irgendwann etwas bringen. Ich habe verloren. Einen Verlust den ich nicht wegstecken kann. Überall sehe ich das was ich möchte, aber nicht bekommen kann. Nur Hass und Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit, kamen mir entgegen. Das habe ich wiederbekommen. Danke. Vielen Dank. Bin ich derjenige der die Räuberleiter für andere macht? Ein Werkzeug das man benutzt und wieder ein den dunklen, kalten Keller stellt. Ist es Wärme? Ist es das Loch was ich füllen möchte? Wertlos, es sei denn man benutzt es. Wertlos.
Warum wollen sie mich zurück? Warum versuchen sie es? Wieso wollen sie mich zurück?
Hilfe. Jahrelang schrie ich um Hilfe. Stumme Schreie hört man nicht, öffentliches nicht gesehen. Auf Gesten und Taten nicht reagiert. Ist es meine Sprache die so unverständlich ist? Bin ich Anders? Ja. Jemanden finden und wieder verlieren. Warum, warum sollte man dann überhaupt jemanden finden wollen wenn es so schmerzhaft ist diesen wieder zu verlieren. Wenn sich die Angst entwickelt und größer wird. Es hat mich zerbrochen. Nun sammle ich die Scherben und das Blut tropft von meiner Hand. „Jeder entscheidet für sich was er erleben möchte“ … „Die Entscheidung liegt bei dir selbst“ Ja, man darf wählen welche Farbe, welche Form, welches Material man als Bauer nimmt. Und? Das Spiel wird von anderen bestimmt. Nur eine Schachfigur auf dem Brett. Eine unwichtige Figur die man als Schutz nimmt und jederzeit opfern würde. Es ist die eigene Entscheidung und von einigen Entscheidungen tragen die anderen die Konsequenzen aus. Ein Spinnennetz und wir müssen die Fäden finden die nicht kleben um voranzukommen. Unsere… Beute.
Es wird kälter. Kälte die ich kenne. Wärme die ich nie kennen gelernt habe.
Ein letztes Mal, ein letztes Mal gehe ich auf die Leute zu. Anders als sie es glauben, anders als sie es je erwartet haben. Über die Konsequenzen bin ich mir bewusst. Ich werde jeden einzelnen prägen. Nie wieder werden sie es vergessen. Ich werde Schmerzen zufügen. Ein Kreislauf beginnt von neuem. Dieser Moment in dem ich mich entschloss liegt lange zurück. Es zu durchbrechen war mir nicht möglich. Flucht, Erlösung, Schwäche?
Ich lehnte mich ein Stück nach vorne. Es reichte.
Ich starb schon lange zuvor.
Während ich ich mich im Flug dem Boden näherte und all die Leute sah die sich ansammelten, von Polizei und Feuerwehr über besorgte Passanten und Schaulustige waren die letzten Worte die ich hörte: „Das Leben wird schon wissen was es mit dir vorhat…“
Nun lebe ich mein Leben im Tod.